Dienstag, 20. März 2012

Die Mondial Assistance führt die Liste der größten Assistance-Gesellschaften an. Der Wandel der Assistance vom Notfallprodukt zum Wohlfühlprodukt schreitet immer weiter voran. So auch in der „touristischen Reise-Assistance“.


Zwar hat die Europ Assistance Group, wie im Beitrag vom 12. März 2012 berichtet, das Geschäftsfeld der Assistance, so wie es bis heute weiter besteht, in der Assekuranz wesentlich mit auferrichtet. Eigenwerbung: „Europ Assistance hat das Prinzip der Assistance im Jahr 1963 erfunden...“ Die Marktführerschaft im Assistance-Markt, gemessen am Umsatz, führt jedoch die Mondial Assistance SAS an. Die Mondial Assistance SAS ist mit dem international größten Versicherungskonzerns Allianz S.E. wirtschaftlich verflochten. Seit Februar 2011 firmiert die Mondial Assistance International S.A., Niederlassung für Deutschland, als AGA International S.A., Niederlassung für Deutschland. Das Assistance-Unternehmen Mondial Assistance Deutschland GmbH heißt seitdem AGA Service Deutschland GmbH. Die Paraphe „AGA“ steht dabei für „Allianz Global Assistance“. Der Hauptsitz der Mondial Assistance SAS befindet sich in Paris. (Die Buchstabenfolge „S.A“ steht für die französische Rechtsform „Société anonyme“ (SA). Diese Rechtsform entspricht der deutschen Aktiengesellschaft (AG). Die Abkürzung „SAS“ lautet ausgeschrieben „Société par actions simplifiée“ (SAS) und beschreibt eine nicht an der Börse gelistete „einfache“ Aktiengesellschaft.) Die Allianz Global Assistance befindet sich in der bayerischen Landeshauptstadt München, so wie der Konzernsitz der Allianz S.E. Eigenen Angaben zufolge arbeiten dort ca. 500 Mitarbeiter für die AGA, weltweit über 10.000. Anhand der Mondial Assistance lässt sich beispielhaft die geschäftige Bewegung auf dem Assistance-Markt widerspiegeln. Immer auf der Suche nach neuen lukrativen Geschäftsfeldern,  versucht die Assekuranz weitere Teile der Bevölkerung für ihr Produktangebot zu gewinnen. Zielgruppe der Assekuranz sind in der überwiegenden Anzahl Privatpersonen. In welchen Lebensbereichen kann ihnen durch ein Versicherungsprodukt geholfen werden? Aus dieser Fragestellung heraus entwickelte sich das Segment der sogenannten „Reise-Assistance“ oder „touristischen Reise-Assistance“. Darunter fallen so unterschiedliche Leistungen wie Erstellung von Reiserouten, Informationen zum Zielland oder zur aktuellen Verkehrslage. Aufklärung über Einreisevoraussetzungen (Visum), die Reisemöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie das dazugehörige Buchen von Tickets, auch für die spätere Hotelunterkunft und die Theateraufführung, fallen unter das Segment der Reise-Assistance. Im Notfall wird die Vermittlung mit der zuständigen Botschaft und anderen Institutionen organisiert. Dolmetscherservice, Rechtsauskunft, Bargeldvorschuss, Hilfe bei verlorenen oder entwendeten Dokumenten, die Organisation der Unterkunft sowie eine eventuelle Umbuchung z.B. im Krankheitsfall oder im Falle einer Flugverspätung oder eines –Ausfalles sind weitere Leistungsmerkmale, die in der touristischen Reise-Assistance vorzufinden sind. Ausgehend vom beispielhaft benanntem Leistungsumfang der touristischen Reise-Assistance wird der Wandel einer Versicherung vom Notfallprodukt zum Wohlfühlprodukt sichtbar. Hat die Assistance-Leistung zu Beginn ihres Werdeganges ausschließlich in einer Notsituation, Panne, Unfall, Krankheit usw., weitergeholfen, holt sie, erwachsen geworden, ihren werten Versicherungsnehmer schon in Gedanken beim Pläne schmiedend zu Hause ab. Mit diesem Wandel ging ebenfalls eine Ausweitung der Zielgruppe einher. Immer mehr Assistance-Produkte sind nicht mehr auf Privatpersonen beschränkt. So rückt für die Assekuranz der Bereich für das Firmenkundengeschäft immer mehr ins Blickfeld. Wieso soll das Feld der Assistance mit Akteuren von Wirtschaft, Verwaltung und Institutionen allein Spezialversicherern, Kunden- und Kreditkartenanbietern, Automobilherstellern oder Reiseveranstaltern überlassen bleiben? Die Einführung neuer Leistungsmerkmale oder eines völlig neuen Produktes, Innovation, kann auf das wissenschaftliche Erforschen von Bedürfnissen der Bevölkerung, ihrer Sorgen, Wünsche und Ängste zurückgeführt werden. Durch die derzeit immer weiter zu beobachtende Grundrichtung des Gesetzgebers, staatliche Fürsorgeleistungen zu kürzen oder ganz zu streichen und damit auf die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Bürgers zu setzen, ergibt sich für die Assekuranz die Möglichkeit, diese Lücke durch intelligente Produkte zu schließen. Obwohl heute schon hier und da heiß diskutiert, ist vorauszusehen, dass die demographische Entwicklung ein sehr wichtiges und sensibles Thema nicht nur für die Versicherungswirtschaft, sondern für die ganze Gesellschaft sein wird. Einige Assistance-Produkte legen bereits heute ihren Schwerpunkt auf Senioren und deren Bedürfnisse im Alltag. Die heute unterschiedlichsten Arbeitsformen und die sehr individuellen Lebensentwürfe der Menschen tragen ebenfalls ihren Teil zur neuen Assistance-Versicherungen bei. (ucy)